Nov 27, 2006

eine lustige Sache für Leute mit Stahlwolle am Sack oder solche, die handfeste Tatsachen brauchen, um oben genanntes zu beweisen:

http://quizfarm.com/test.php?q_id=63911



mein score:


You scored as Hardcore.

Hardcore


81%

Alternative


56%

Indie


50%

Emo


50%

Screamo


38%

Classic Rock


19%

Metal


13%

What Type Of Rock Are You
created with QuizFarm.com

Nov 4, 2006

poetry#5

My feet are still traversing these streets

(Passing the same street again)


What would it matter –

I´d show regret, and said:

I never wanted anything of this to happen

Said that and would actually believe the words

Or believe I knew what I wanted to say

But what do you care words?


So I go on as if it were yesterday

Dangling in the streetlights

Dancing on my conscience´ corpses

Dices only roll me bad luck

As Russian Roulette would

If I ever dared to quite try that


I need something more

I look for insights

Who´ll ever be waiting there for me

If not even you

What is there I can rely on

If I passed that flask


So I walk on

And stay here or there for a while

To not forget that it is solitude that strays first

I´ll walk those precepts for years

Until they all get the same to me


I would walk them with you, no doubt

If you only would still know me by then

I can´t be sure of that, though I been sure to know you

I won´t be sure of anything anymore

Well, I can´t depend on you

And I know all of that


But I know many things that I know

Like empty phrases do

They don´t appear real to me

And you gave me that feeling

The feeling I miss since then

A feeling real


So I will walk this street

Carrying you on my heart

You´re weighing hard on my hand and shoulder

I will stop from time to time, for a sigh

And then I will stand right here, see that river?

And wait for you until the morning dawns


(October 2005)

Nov 1, 2006

... und das Leben ging weiter

Liebe Kundigen der deutschen Sprache,


(die mir in immer weitere Ferne zu rücken scheint... hier wäre ein geeigneter Anknüpfungspunkt, die Bedeutung von Sprache und ihren Einfluss auf unseren Bewusstseinszustand zu kontemplieren, das würde allerdings lediglich etwa 10% der versammelten Zuhörerschaft im Entferntesten interessieren - so hier nicht sowieso alle an meinen Lippen kleben...)

Taiwan hat mein Selbstbewusstsein auf seltsame Art und Weise auf eine Probe gestellt. Nicht, dass es ernsthaft in Frage gestellt worden wäre (was hierfür passieren müsste, ist bisher undenkbar, hehe). Nein, eher in einer subtilen Weise.
Was bin ich wirklich? wieviel bin ich?
Das mag an der fremden Kultur liegen, die dir nicht immer ihr Gesicht von innen nach außen kehrt - um ehrlich zu sein, geschieht dies äußerst selten. Es geht so sehr um Höflichkeit und Formalität! So würde dich ein Ostasiate niemals aus deinem Zimmer hinauskomplimentieren, solltest du ihm auf die Nerven fallen. Nein, es ist immer "kein Problem".
Im Allgemeinen sind die Taiwanesen sehr daran interessiert, wer du eigentlich bist. Das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen, was ein wenig irritierend ist, wenn einem die Jungs vorhalten, dass man wirklich ein gutaussehender Kerl sei (Exotenbonus! Das soll schon heißen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ich bin mir über mein AUssehen im Klaren, keine Angst - nur kann man hier aus dem Vorhandenen mehr schöpfen, wenn man will :) Speziell die Frauen... Mit ihren Blicken sind sie hundertprozentig dabei, doch wenn es ans reden geht, ziehen sie sich schnell in Verständigungslücken zurück. Außerdem gibt es hier einen nervigen Kumpanen namens Stolz, der furchtbar häufig dazwischenstolziert. Denn den taiwanischen Mädels, die viel auf sich und ihr Aussehen halten, gilt ihr Stolz viel. So können sie an einem Tag eine - in meinen Augen - schrecklich nette Unterhaltung führen, nur um einen am nächsten Tag vollends zu ignorieren. Bisher hatte ich nicht gelernt, mit diesem Stolz umzugehen, bzw. mir selbst so etwas wie eine hoch sitzende Nase (im übertragenden Sinne!) anzueignen, es war schlicht nicht vonnöten. Doch hier ist der Flirt ein ungleich seriösereres Geschäft. Eben weil die Etikette, die Bedeutung des Äußeren dazu kommt und dem Ganzen eine schwangere Tiefe verleiht, die es schwer macht, einfache Konversation zu betreiben. Das ist natrülich nicht in jedem Fall so. Jedoch speziell, wenn es um Ausländer geht. Denn natürlich leben die Taiwanesen nicht in einer Porzellanschüssel. Und sie sehen, wie sich Ausländer mitunter aufführen - wie Überreste einer alten kolonialen Oberkaste. So sind die Emotionen oft von Schablonenhand vorgefertigt, und es entsteht eine seltsame Mischung aus Respekt, Angst und Abscheu. Relativ viele Menschen mögen Amerikaner nicht besonders, und nach meinem ersten (und bisher einzigem) Clubbesuch kann ich verstehen, warum. Gebt den Wachhunden der Partyhölle keinen Alkohol! Oder sie werden an unschuldige weibliche Wesen herantreten und ohne Vorwarnung anfragen, ob sie denn sofortigem Geschlechtsverkehr etwaig abgeneigt wären...

Ja, ich lebe in Taiwan. Mittlerweile ist es uns zur Gewohnheit geworden, jeden Mittag an einer für diesen Zweck günstigen Stelle damit zu verbringen, die nun seltener werdenden Röcke zu begutachten. Was mir als in diesen Dingen gänzlich ungeübtem Kerl nie eingefallen wäre, wären da nicht meine mit 5 oder mehr JAhren Erfahrung in Taiwan gesegneten Kollegen. Mein Verständnishorizont, warum so viele Europäer (oder Amerikaner, meinetwegen) für chinesische Frauen "fallen", um mal das englische Äquivalent direkt zu übersetzen und garantiert falsch anzuwenden, hat sich erweitert. Es ist eine andere Kultur, und Kulturen sind schwer zu beschreiben, sie sind nur zu erleben. Erleben ist schließlich zu einem nicht geringen Teil auch Genießen. Diesen Teil haben wir also auch.

Vor nicht allzulanger Zeit wurde ich Zeuge einer chinesischen Hochzeit. Doch für diese Geschichte muss ich einigermaßen tief in die Trickkiste der Vergangeheit greifen.
Alles beginnt mit meiner Freundschaft mit Jason, meinem amerikanischen Kommilitonen, der seit 5 Jahren in Taiwan lebt, Freundin, Auto und Wohnung hat, und gerade seinen Job gekündigt, um Chinesisch zu lernen, und mit Marlon, einem Musiker und Produzenten aus der Trinidad, der sich seit 11 Jahren in Asien herumtreibt, mit einigen wenigen fürstlich entlohnten (im WAHRSTEN Sinne des Wortes) Auftritten seiner Bands in Sultanaten oder 5-Sterne-Hotels im Jahr seinen Lebensunterhalt verdient, wenn er nciht die Songs für ein Hitalbum auf den Philippinen schreibt. Nun, sein temporäres Ziel scheint zu sein, Taiwan für mich unabkömmlich zu machen. Das heißt, er sorgt sich rührend darum, mir einen Gutteil der hiesigen Kultur vertraut zu machen. Dazu lud er mich häufig zu sich nach Taoyuan (etwa 30 Kilometer von Taipei) ein, mit seiner Freundin, die nebenbei gesagt ein TV-Star ist, gutes Essen zu essen, mit den alten Leuten unten im Haus eine Teezeremonie mit anschließender Schnapsorgie abzuhalten, oder eben mich auf diese Veranstaltung mitzunehmen, auf der er mit seiner Freundin singen sollte und die sich als Hochzeit entpuppte.
Die Hochzeitsgesellschaft war riesig groß, es wurde extra ein Restaurant angemietet, in dem dann eine private Karaoke-Party abgehalten werden konnte. Generell ging es primär ums Essen, und allein für die Auftritte der TV-Stars musste wohl ein hübsches Sümmchen hingelegt werden. Sehr einprägsam war auch, die Reaktionen der Gäste, vor allem der Kinder, auf die Anwesenheit eines Schwarzen zu sehen. Wir würden es wohl als ungeniertes Starren bezeichnen.
Eine gewisse Aufmerksamkeit wird wohl auch mir zuteil, doch nehme ich das mittlerweile fast als selbstverständlich hin, wobei ich nur hoffe, dass sowas nicht den Charakter verdirbt. Back in sweet home wird es nämlich nicht mehr so sein... Jedenfalls stellte das meine Kommilitonin aus Indonesien ganz entrüstet fest: "Ey, they´re staring at you!"
Noch was zum THema Frauen (das hoffentlich njciht den gesamten Inhalt dieser ohnehin wieder viel zu umständlichen mail einnimmt!): Die Sorte, von der es hier wimmelt, scheint nur langsam zu altern. Manchmal ist es schwer möglich, ihr Alter zu erraten. Eine Freundin der Freundin meines Freundes schätzte ich unsicher auf 25, doch ging sie auf die 40 zu. Seitdem setze ich lieber höher an...

Es gab eine Phase, in der ich nicht wusste, wo ich eigentlich bin oder wo ich hinsoll, im besonderen in der Woche, nachdem mir Thomas eine dieser unendlich tragischen, die Situation in einem Moment ändernden Nachrichten übermittelte, die den gesamten Grund erschüttern ließ, auf dem dieses junge Gebäude Taiwan für mich erbaut ist. Dennoch fühle ich mich hier und jetzt, es ist genau der richtige Ort, um zu sein, um ich zu sein, um von Deutschland zu entspannen. Die Welt ist klein, aber wir sind noch viel kleiner. Und letztlich sind Menschen überall Menschen, im Grunde ihres Herzens teilen sie dasselbe Erbe und hat man dies erkannt, lässt es sich an jedem Ort dieser Welt leben, mit einem offenen Herz und Geist, und lernen, die Welt zu entdecken.
Mein gewachsenes Selbstbewusstsein rührt auch von meinem sicherer werdenden Gebrauch der chinesischen Sprache dar. Mag am Anfang alles zu schnell und gleich klingen, fühlt man sich nunmehr mittendrin. Für erste Freundschaften ist das mehr als genug, bei speziellen Themen gibt es dennoch nur eines: zuhören und lernen. Das Lernen sollte einen zumindest Demut empfinden lassen, angesichts der Komplexität und Genialität hinter dem Konstrukt. Da sind nicht nur europäische, germanische oder romanische, oder wie auch immer geartete, Sprachen, sondern komplett verschiedene Denksysteme! Am spannendsten ist wohl, herauszufinden, wie diese Sprachsysteme das Denken der Menschen und letzlich ihr Leben beeinflussen. Es gibt kaum etwas, in dem man sich mehr verlieren könnte. Man verliert ein wenig den sicheren Halt unter den eigenen Füßen, wenn das eigene Denksystem an Allgemeingültigkeit abzunehmen beginnt, doch ist man darüber hinaus offen und interessiert, anderes aufzunehmen, lassen sich Kombinationen entdecken, die unserer Welt viel geben können.
Asien ist ja nicht nur Markt oder Konsument oder Produzent, worauf bei uns leider viel zu sehr wert gelegt wird. Wer nicht versteht, worum es geht, wird nicht verstehen, warum er eigentlich seine Allmacht aus den Händen gegeben hat... Ich kann mir wieder nicht verkneifen, einen Seitenhieb auf Schlachtengänger à la "Krieg der Kulturen"-Huntington zu landen. Wer nicht verstehen will, wird nicht verstehen. Und wer die Vergangenheit zur Zukunft machen will, hat beide verspielt. (Das musste auch Tom Cruise als letzter Samurai einsehen, allem Heroismus zum Trotz ;) - Das Leben ist kein heroischer Kampf, zumindest nicht für mich. Kämpfer, die nicht dem SChwert zum Opfer fallen, werden von ihrer Hoffnungslosigkeit niedergestreckt.

So viel zum poetischen Teil, haha.
Ja, ich habe auch Kultur im weiteren Sinne gesehen. Chinesische traditionelle Musik und diese bei uns so viel Bewunderung hervorrufenden akrobatischen Tänze, Theaterspiele in volksreligiösen Tempeln, Straßenparaden. Das Besondere an Taiwan ist dabei seine Freiheit und sein Mix aus verschiedenen Stilen, dank Einwanderern aus Südchina, später aus Nordchina, 50 Jahren japanischer Vorherrschaft (der verdanken wir das hervorragende Teppanyaki und Sushimi!), und seit fast 60 Jahren Öffnung der westlichen Kultur hin. Es gab keine Kulturrevolution, und so finden sich kleine Tempel mitten zwischen modernen Mehrstöckern. Typisch für die Architektur Taipeis ist, das die meisten Häuser erst im 20. Jahrhundert erbaut wurden, als die Stadt rasant wuchs, so dass heute kaum noch Unterschiede zwischen der einzelnen umliegenden Städten auszumachen sind.

Soweit zur Aufarbeitung der Vergangenheit. Ich werde demnächst Bilder aus der näheren Vergangenheit hochladen, same place as before.

Damit ist der Durst nach Informationen aus Fernost hoffentlich vorerst gestillt. (Ich weiß ja, ich mache es euch nciht einfach, mal gehe ich von unersättlichen Opfern meiner langsamen Finger aus, die ich dann einfach unter einem Monat gnadenlos verhungern lasse - mein Deutsch war auch schon mal deutlicher. Glaube ich zumindest.)

Oct 27, 2006

poetry#4


Dining with leper


And violence is fears fierce sister

Powerlessness, silencing brother speech

Clarifies conditions of todays

Empire, dictatorship of

The educated, the complacent and

Correct the traces left by some

Error inherent as the key to the

System


And me, I am dining with narcoleptics

And I am feeling the sickness as if

I was growing mad too

But I was talking to Jehovah

And last night I received a phone call

from President Jefferson

Granting me full amnesty

Again, I awake in that desolate place


My eye, caressing this land in bloom

All but a figment of my mind, they say

My dreams are getting armed

And all of those attempting to part

Me from this – they shall taste the blade of the sword

Their dreams have passed away

But never will they take mine

I´d rather be mad

And outshine

An empire inside my head


I don´t belong here

Why do they keep me still?

I am meant to be free

I won´t depend on anyone but myself!

-

Then I scratch some stain on my soul

I am still sweating, and I wonder where I am

It feels like I just awoke from some sort of sleep

Hazy days, hazy nights

There is no clearance here

My life, it feels so empty

Some kind of madness to call it life, actually -

Where did they go?

And why did they take that medicine with them?

I want those petty dreams back!

Again, I awake in deserted places…


(Oktober 2005)

Oct 9, 2006

poetry#3


Past the Falls (So Much for a Winner)

/How Much I Envy You for Dreaming


So”… they say

So”… they say, and when it comes to you

Won´t you ever disturb me again?


Way past malicious fallacies

And make-believe we were that humble,

Or strong, if that was more appealing

If that was what you wanted


Somehow pathetic

We take the fall and don´t wonder

Anymore for what comes next

Is what we´ve had before

Is what we´ve already had

Ready to bust us in

Bust us out


We are way past anger and meaning

Still, that was a sense of living

Some glimpse, at least

And it felt much better

When it was like that, like a fact, intact

And there was no question or surrender

As if it would have ever been this way


Light that cigarette

As you reason, and imagine

Yourself a hero this way

Except for grace, everything still keeps on going

Not entirely in order, perhaps

But who would ask for that?

Who should give a damn?


So you declare

War on that last cigarette

And give it another try

Hold your breath, for a second only

In times, you wish things were not the way

They are, or better, in one way or another

Yet they always kind of trick you on that matter

Get the looks closer on the glass of gin ahead

Stop the spin of thinking (inside your head)

Get out on top, there´s so much for a winner

Ask that worn out girl next to you on the counter

Ask to save her for a last dance


(24.02.06)

Oct 7, 2006

Heimat

so manches weckt erinnerung.

als ich gestern abend über das dach unseres wohnheimes schlich, gaben die bodenplatten nach. jede ein wenig, manche ein wenig mehr. sie scheinen nur lose aufgelegt.
ja, auch dieses wohnheim hat ein begehbares dach. doch im vierten stock schon. bzw. dem fünften, denn der vierte stock ist in china der fünfte. es gibt kein erdgeschoss.

manches ist nur erinnerung, doch erinnerung ist lebendig und geduldig.
die "rooftops" von flogsta. und die jugend, die auf ihnen in vollen zügen genossen und verschwendet wurde. alkoholgeschwängerte parties in lauen sommernächten. durchwachte nächte, in denen sich keine sonne zur ruhe legen würde.

doch so vieles trennt das hier vom jetzt und vom damals. keine seele auf dem dach eines keineswegs einsamen wohnheimes auf dem campus von fu jen daxue. ringsum dunkelheit. feuchte in der luft. die schatten der berge erkennbar, wo sie von lichtern ausgemalt werden.
taiwan wird vom nördlichen wendekreis quer geschnitten. deswegen gibt es keine jahreszeiten, wie das bei uns der fall wäre. die sonne arbeitet mit der genauigkeit eines uhrwerkes, halb sechs steigt sie, um sechs desselben abends legt sie sich schlafen. das wetter ist jedoch angenehmer geworden. mit tagsüber jetzt etwa 27 grad ist es nicht mehr gar so heiß, und den großteil der tage versteckt ein dichter vorhang von wolken die hitze der sonne. diese wolken sind der fluch des nordens der insel. sie bestärken nur den eindruck des grau in grau. - ich weiß nicht, wie groß taipei nun wirklich ist, aber es ist groß genug. oder taiwan ist zu klein für eine solche vielzahl von menschen. nur zum vergleich: mit der größe der niederlande (oder baden-württemberg) bietet es etwa 23 millionen menschen ein zuhause - und die niederlande als das dichtest besiedelste land europas knapp 15 millionen.

gestern also war tag des erinnerns. schweden war ein komplett anderer traum. pure freiheit. hier dürfen keine frauen ins wohnheim, nicht einmal fremde männliche besucher, und alkohol schon gar nicht (...). es gibt keine parties. nach 12 uhr gibt es eigentlich gar nichts. bisher habe ich ein "restaurant" (also einen dieser kleinen imbisse) entdeckt, wo man in der tat bier kaufen kann - dementsprechend höchstwahrscheinlich auch vor ort konsumierbar. ein einziges... und ne dose billiges taiwan beer kostet knapp einen euro. wie schlimm muss es da erst im "richtigen" china sein...?

sind die speisen also vergleichsweise günstig, ist alles, was luxus darstellt oder nicht unmittelbar dem überleben dient, teuer. meistens entspricht es ja den ansprüchen des westlichen "besuchers" und nicht eingeboren taiwanischen traditionen.
und es geht ja auch ohne. die taiwanesen überleben schließlich auch.

die wochenenden sind unser anlass, unsere neue heimat zu erkunden oder besondere ausflüge zu unternehmen.
so waren wir am samstag auf dem daniel pearl day for music. aufmerksam geworden durch einen artikel in der englischsprachigen taipei times. daniel pearl war ein reporter, der sein leben in einem krieg verlor (wenn ich mich recht entsinne, war es in afghanistan). daraufhin beschlossen seine eltern, ein event ins leben zu rufen, das alljährlich anlässlich seines todestages konzerte around the globe veranstaltet. das ganze umsonst und lokal organisiert.
von den erwarteten "500 besuchern" waren vielleicht 50 anwesend, als wir den ort des spektakels unsicher machten - wesentlich mehr sollten es auch nicht mehr werden. nett gelegen, etwas abseits des gewühls der taipeier innenstadt neben einem buddhistischen tempel am sogenannten "treasure hill". der hügel entpuppte sich als rückzugsgebiet eines künstlerkollektivs, wer für die namensgebung verantwortklich zeichnete, bleibt somit unserer vorstellungskraft offen. dieser hügel schien gleich einer oase, eines rückzuggebiets einer horde von in taiwan lebenden weißen, vonehmlich amerikaner. meinetwegen künstler, aber was soll man auf dem hügel auch groß den ganzen tag über anstellen? die offensichtliche kunst bezog sich auf selbstgestaltete wände von selbstwebauten kleinen und kleinsten häuschen, die sich dicht gedrängt den hügel hinaufwanden. entgegen der ankündigung in der taipei times wurde am eingang zu der "bühne" jedoch intensiv um spenden für die daniel pearl irgendwas und den erhalt dieses "wunderbaren estates samt seines kollektivs" geworben. mir scheint ein solches rückzugsgebiet recht bequem, verglichen mit ihrem zuhause mag das angesparte geld dieser amerikaner hier einen wahren reichtum bedeuten. zumindest lässt sich damit gut leben und seinen alltag als künstler ausgestalten. man könnte es dekadent nennen. doch die diaspora der von ihrer eigenen massenkultur gelangweilten europäer und amerikaner nimmt bisweilen groteske züge an, und sucht sich immer neue "unvereinnahmte" paradiese, diese zu besiedeln. es gibt wohl hunderte solcher communities in der südsee, in der karibik, aber es gibt sie eben auch in taipei oder kampala.
unser drang nach dem leben, das wir uns wünschen, zu führen, führt uns an entlegene orte. es geht sicher vielen unter uns so. doch was veranlasst uns, so weit weg zu gehen? so weit weg zu wollen?
ich bin auch dort, was man weit entfernt nennen könnte, doch fühlt es sich geborgen und sicher an, und was so schnell einem zuhause gleicht, kann doch nicht vollkommen verschieden von dem angwöhnten, von dem geschützten zuhause sein...

jedenfalls irritieren mich gewisse dinge im auftreten der ausländer, vor allem der amerikaner. allen voran ihre übertriebene selbstsicherheit, die selbstverständlichkeit, mit der sie ihre offensichtlich herausgehobene stellung akzeptieren und zur schau stellen. es war grotesk, was da an asiatischen schönheiten in kurzen röcken herumstolzierte und nach der hand eines dieser großäugigen, bleichen milchgesichter suchte. oder schon längst gefunden hatte, wie ebenfalls alltäglich hier. zum ersten waren es beinahe ausschließlich männer (damit meine ich nicht mal nur die musiker), und sie alle hatten taiwanesische frauen, ein gutteil sogar kinder. es traf sich somit eine amerikanische enklave, um den entsagungen des taiwanischen lebensstiles mit bierstand und basketball court abzuhelfen.
nun mag an der tatsache, dass diese weißen männer sich einheimische frauen suchen, nichts anstößig sein. doch warum ausgerechnet solche, die aussehen, als wären sie bloßes accessoire? ebenso unlösbar wie die frage nach dem muster, dass der gegenseitigen attraktion von männlich und weiblich zugrunde liegt. ein geheimnis, weiß und gebleicht. wonach suchen männer, wonach frauen? und warum sind die vorurteile darüber nicht einmal von einer starken frauenbewegung auszulöschen?

generell zieht es den weißen mann wohl gern dahin, wo er sich der bewunderung der einheimischen bevölkerung sicher sein kann. man kommt schon ins grübeln, wenn man diesem gedanken nachgeht, und welche auswrikungen er auf unser bewusstsein und unser verhalten hat. dann ist der nazismus vielleicht eine mögliche folgerung aus der entdeckung und unterwerfung amerikas, die durch den europäischen aufbruch zur renaissance ermöglicht wurde. überall machte sich die bevölkerung eines kleinen erdteils namens europa zum herren, und das scheint sich so sehr im bewusstsein einer global zugänglichen welt verankert zu haben, dass die hautfarbe sogar in formal nicht kolonisierten gegenden wirkt. es ist der ursprünglich europäische mann, der sich vor etwa 500 jahren einen entscheidenden vorteil verschaffte und diesen kontinuierlich ausbaute. und seine geradlinige sicht auf die welt als anfang und ende habend (die sich aus den monotheistischen religionen ableitet) brachte ihn in einen wettlauf, am ende immer die nase vorn zu haben, immer auf der hut vor denjenigen, die aufschließen könnten. so funktioniert es auch heute noch. es "zwingt" amerika und europa, zu rationalisieren, profit zu optimieren, die forschung voranzutreiben. zwar mag der vorteil bald verspielt sein (was apologeten wie samuel huntington auf den plan ruft, deren krude theorien von eventuellen "clash of cultures" letztlich auch nur das recht amerikas, seine "gottgegebene" vormachtstellung zur not durch präventivschläge zu behaupten, popularisieren), doch der unterschied im bewusstsein wird schwerer auszugleichen sein. selbstbewusstsein wächst langsam.
für uns ist das nur bequem, und nichts passt besser, als gott dafür zu danken, egal ob er dafür verantworlich ist oder nicht. tief in ihrem inneren wissen das auch die amerikaner. zumindest kann ich mir solche ignoranz nicht vorstellen. - obwohl- die welt hat viele gesichter, und die hässlichen kommen ohne zweifel auch bei uns vor.

das führt mich an einen anderen punkt. zur frage, inwieweit in taiwan ein internationales geschichtsbewusstsein gewachsen ist. offensichtlich ist es damit nicht allzuweit her.
ich suchte in einem kleinen buchladen direkt auf dem campus nach einem lehrbuch. in jenem laden werden gleich neben dem eingang notizbücher angeboten. die meisten von ihnen zieren westliche ikonen, die büchlein sind wirklich nett anzuschauen, sei es, dass John Lennon, WoodStock oder der Ché das Cover schmücken. nicht zu erwarten war jedoch eine andere westliche "ikone" - nämlich Adolf Hitler.
nach einem ersten schock packte mich der heilige zorn, und bestärkt von meinen klassenkameraden, ging ich, mich in meinem grundschul-chinesisch beschweren und versuchte den von dem thema absolut überforderten und nur entschuldigend schauenden verkäuferinnen klarzumachen, dass man so einen scheiß doch nicht allen ernstes VERKAUFEN kann! es war nicht im geringsten ironisiert, sondern wirkte im gegenteil gar idolisierend. hitler in heroischer pose, in der aufgereckten hand einen blitz, darunter das hakenkreuz, auf der rückseite zur zugabe gleich nochmal. die verkäuferinnen zeigten sich sehr "sorry", eine sagte sogar, sie habe ein wenig geschichte studiert, und wisse, dass der kerl überhaupt nicht nett gewesen sei.
aber so ist das in china. sie sagen dir, wie sorry sie sind, schauen dich ganz ehrlich sorry an, und was dann? was kann man machen? man steht sich gegenüber - stille. der segen des einander nicht verstehen könnens lässt meine wut an ihrem sorry einfach abperlen. zumal sie ja nicht mal was dafür können. und was mache ich? mich beim chef beschweren? der ist wahrscheinlich auch nicht für den einkauf verantwortlich. ich überlegte, alle hefte aufzukaufen und zu verbrennen, aber das wär eventuell kontraproduktiv, dann würden sie nur noch mehr von dem zeug hinstellen - es verkaufte sich schließlich so gut.
so ist das in china. man geht und fragt und bekommt eine antwort. zum beispiel, um zu wissen, wann unser stuípendium denn auf dem konto ist. die antwort ist also tag x, aber an tag x ist das geld nicht da. also gehen wir wieder und fragen. man hört ehrliche entschuldigungen und dass es sicher nächste woche kommt. und so geht das dann weiter, bis man es dann eines tages tatsächlich hat. oder vorher aufgegeben hat.
aber stress machen oder sich beschweren - das funktioniert hier nicht im ansatz wie zuhause. warum auch? man macht es sich selbst nur schwer...

mein thema war eigentlich unser wochenende, wenn ich mich recht entsinne. der samstag gehörte daniel pearl, und anschließend dem besuch eines 夜市, eines nachtmarktes. zwischen all den eng beienander stehenden ständen 小吃, den taiwanesischen imbissen zwischendurch, z.b. hühnerfüße mit allem drum und dran, wahnsinnig ekelhaft aussehenden würsten und tofu, schlängelten wir uns hindurch, jeder zweite laden verkauft essen oder sportschuhe (die gegenüber auf dem festland in den freihandelszonen nahe kanton gefertigt werden) oder klamotten. und so richtig "nacht" ist auch nicht, um 12 ist schließlich schluss. die meisten läden haben eh bis gegen 11 offen. meist sind sie auch nur der der straße zugeneigte raum in der erdgeschoßwohnung, solange man nicht schlafen geht, kann man also genausogut seinem gewerbe nachgehen.
am sonntag war ich mit Maxime, dem belgier aus dem dormitory, unterwegs. es war der letzte tag des europäischen filmfestivals in taipei, und wir genehmigten uns den schwedischen film "the guy in the grave next door". vielleciht trug eben jenes zu meiner uppsala reflektierenden stimmung abends bei. es war ein stück heimat, diese schöne wie lächerliche sprache zu hören.
anschließend drückten wir uns die nasen an schaufenstern von höllisch teuren (europäischen?) restaurants im selben gebäude platt. der spielplatz der besitzenden schicht. wenn man die klotür öffnete, hob sich der klodeckel automatisch, wie um seine freude angesichts des zu erwartenden spektakels kundzutun und den besucher für sein im restaurant gelassenes geld ordentlich zu entschädigen. außerdem waren die dinger von irgendwoher beheizt. das rief sofort die erinnerung an unseren geliebten professor moritz wach und seine geschichte von den hotelklos in thailand, wo man beim stuhlgang gleich noch massiert wurde. ich kann mir jedoch immer noch nicht vorstellen, wie das ablaufen soll... ist ja irgendwie auch ne intime sache, nicht?

das wochenende davor gehörte der erkundung der umgebung taipeis. eben jener (äußerst aktive) Maxime machte eine organisation ausfindig, die eine erste bergwanderung kostenlos anbot. der schlossen wir uns also an. wie es schien, eine studentenvereinigung. wir erwanderten den erge shan und anschließend einen sogenannten monkey rock. insgesamt ergab sich eine ahnung des als so schön geltenden berglandes taiwans. für richtig gutes wetter befanden wir uns wohl immer noch zu nah an taipei, d.h. zu nördlich. doch die sanfte wellung der berge und ihr saftiges grün machten hunger auf schönes wetter und gute sicht. außerdem gewann man erstmals einen eindruck, es mit einer teils tropischen insel zu tun zu haben. die vegetation in taipei city ist schließlich nicht besonders reichhaltig, besonders in Xinzhuang, wo wir wohnen, findet man eigentlich nur häuserwüste. doch hier, in den bergen, wuchsen große farne, unbekannte bäume, dichtes unterholz, es wimmelte von moskitos. außerdem gibt es hier die bäume, an denen die bei uns sharoni oder khaki genannten früchte wachsen, sowie eine art birne oder so (von der konsistenz her), deren schale ein wenig schmeckt wie weed riecht...

ein paar details zu meinem alltag, denn der scheint wohl recht kurz zu kommen, obwohl immer wieder hernach gefragt wird.
ich habe kurs von 10 bis 12 uhr, wir sind insgesamt 6 leute, 3 mädels aus korea, japan und indonesien, und 3 knaben aus russland, den usa, und goo´ol´germany.die chemie ist schon recht stimmig, wir gehen fest jeden tag gemeinsam mittag essen (zumindest die mädels und ich), und auch während des unterrichts wir d viel gelacht. unsere lehrerin ist furchtbar nett, manchmal vielleicht zu wenig streng, als wir deutschen gewohnt sind. aber sie kümmert sich wenigsten s um jeden, was nicht in jeder gruppe der fall sein soll. schließlich sind unsere level mitunter sehr verschieden. die indonesierin z.b. lebt seit einigen jahren auf taiwan, dementsprechend plappert sie wie ein maschinengewehr. doch auch daran kann man lernen.
mein chinesisch wird sicher besser, doch geschieht dies langsam. es ist halt eine sprache mit einem unglaublichen reservoir an worten und nicht ganz gleichen synonymen oder wörtern nur für bestimmte situationen. außerdem die schwieirgkeit mit der durch eine gegebene anzahl von silben begrenzte lautvariation, wodurch bestimmte wörter zwangsläufig wie andere klingen und zu missverständnissen führen.
beziehungen zu taiwanesen gestalten sich langsam und bisher eher sporadisch. deswegen möchte ich auch aus der beinahe rein englischen umgebung unseres dormitory ausziehen.
ansonsten gehen die tage früh zuende. des abends findet man noch zeit, ein wenig vokabeln zu wiederholen oder unvermittelt in einem gespräch vertieft zwei stunden zu verbringen. alltäglich gehen auch etwa 4 stunden allein bei der nahrungsaufnahme drauf, mit dem zugehörigen schwatz nach der mahl. entgegen heimischen gewohnheiten fällt mein frühstück hier sehr mager aus - es gibt auch kaum etwas, dass mit unserem brot vergleichbar wäre. und ständig kekse...naja. also ist der hunger mittags um 12 da, wo er hingehört. das geht wohl allen studenten so, jedenfalls sind die lokale bis um 1 immer und überall gerammelt voll. ich glaube, die mütter ringsum träumen davon, ein lokal zu unterhalten, schlecht lebt es sich davon bestimmt nicht. unser abendessen findet dann zwischen 6 und 8 statt. nach 9 bekommt man sowieso nichts mehr, außer an erwähnten snack-ständen (hühnerfüße und so).
ein wenig problematisch gestaltet sich der mangel an obst. zumal die nächsten mir bekannten verkaufsstellen mit dem bus angesteuert werden müssen. daneben nervt die einseitigkeit der gerichte - bezogen auf die tatsache, dass fleisch eignetlich immer mit dabei ist.
um auf das hauptthema einer vorigen mail einzugehen: wir haben jetzt schätzungsweise jeden in der umgebung verfügbaren lokal ausprobiert, und es setzt die phase der gewöhnung ein, wodurch auch ein wenig die freude angesichts dem neuen verschwunden ist. dabei gilt: eigentlich sind die billigeren 飯店 die besseren, die teuren sind zu teuer und das geld nicht wert. z.b. ist der curry hier so harmlos, das macht überhaupt keinen spaß. angeblich sei das "japanischer curry". auch die "italienischen" spaghetti sind eher lächerlich. fast food diskutieren wir mal gar nicht.


nun, es gab viel zu lesen. hoffentlich war es nicht nur viel, sondern auch entertaining, zumindest a little.
es hat mich schließlich fast 2 stunden gekostet... und trotzdem ist es nur ein kleiner ausschnitt von dem, was mir widerfahren ist.
nun, es reicht für einen eindruck, schätze ich, mehr kann man sowieso nur gewinnen, wenn man gewillt ist, mit eigenen augen zu sehen.

bis es wieder soweit ist,

Jacob
so manches weckt erinnerung.

als ich gestern abend über das dach unseres wohnheimes schlich, gaben die bodenplatten nach. jede ein wenig, manche ein wenig mehr. sie scheinen nur lose aufgelegt.
ja, auch dieses wohnheim hat ein begehbares dach. doch im vierten stock schon. bzw. dem fünften, denn der vierte stock ist in china der fünfte. es gibt kein erdgeschoss.

manches ist nur erinnerung, doch erinnerung ist lebendig und geduldig.
die "rooftops" von flogsta. und die jugend, die auf ihnen in vollen zügen genossen und verschwendet wurde. alkoholgeschwängerte parties in lauen sommernächten. durchwachte nächte, in denen sich keine sonne zur ruhe legen würde.

doch so vieles trennt das hier vom jetzt und vom damals. keine seele auf dem dach eines keineswegs einsamen wohnheimes auf dem campus von fu jen daxue. ringsum dunkelheit. feuchte in der luft. die schatten der berge erkennbar, wo sie von lichtern ausgemalt werden.
taiwan wird vom nördlichen wendekreis quer geschnitten. deswegen gibt es keine jahreszeiten, wie das bei uns der fall wäre. die sonne arbeitet mit der genauigkeit eines uhrwerkes, halb sechs steigt sie, um sechs desselben abends legt sie sich schlafen. das wetter ist jedoch angenehmer geworden. mit tagsüber jetzt etwa 27 grad ist es nicht mehr gar so heiß, und den großteil der tage versteckt ein dichter vorhang von wolken die hitze der sonne. diese wolken sind der fluch des nordens der insel. sie bestärken nur den eindruck des grau in grau. - ich weiß nicht, wie groß taipei nun wirklich ist, aber es ist groß genug. oder taiwan ist zu klein für eine solche vielzahl von menschen. nur zum vergleich: mit der größe der niederlande (oder baden-württemberg) bietet es etwa 23 millionen menschen ein zuhause - und die niederlande als das dichtest besiedelste land europas knapp 15 millionen.

gestern also war tag des erinnerns. schweden war ein komplett anderer traum. pure freiheit. hier dürfen keine frauen ins wohnheim, nicht einmal fremde männliche besucher, und alkohol schon gar nicht (...). es gibt keine parties. nach 12 uhr gibt es eigentlich gar nichts. bisher habe ich ein "restaurant" (also einen dieser kleinen imbisse) entdeckt, wo man in der tat bier kaufen kann - dementsprechend höchstwahrscheinlich auch vor ort konsumierbar. ein einziges... und ne dose billiges taiwan beer kostet knapp einen euro. wie schlimm muss es da erst im "richtigen" china sein...?

sind die speisen also vergleichsweise günstig, ist alles, was luxus darstellt oder nicht unmittelbar dem überleben dient, teuer. meistens entspricht es ja den ansprüchen des westlichen "besuchers" und nicht eingeboren taiwanischen traditionen.
und es geht ja auch ohne. die taiwanesen überleben schließlich auch.

die wochenenden sind unser anlass, unsere neue heimat zu erkunden oder besondere ausflüge zu unternehmen.
so waren wir am samstag auf dem daniel pearl day for music. aufmerksam geworden durch einen artikel in der englischsprachigen taipei times. daniel pearl war ein reporter, der sein leben in einem krieg verlor (wenn ich mich recht entsinne, war es in afghanistan). daraufhin beschlossen seine eltern, ein event ins leben zu rufen, das alljährlich anlässlich seines todestages konzerte around the globe veranstaltet. das ganze umsonst und lokal organisiert.
von den erwarteten "500 besuchern" waren vielleicht 50 anwesend, als wir den ort des spektakels unsicher machten - wesentlich mehr sollten es auch nicht mehr werden. nett gelegen, etwas abseits des gewühls der taipeier innenstadt neben einem buddhistischen tempel am sogenannten "treasure hill". der hügel entpuppte sich als rückzugsgebiet eines künstlerkollektivs, wer für die namensgebung verantwortklich zeichnete, bleibt somit unserer vorstellungskraft offen. dieser hügel schien gleich einer oase, eines rückzuggebiets einer horde von in taiwan lebenden weißen, vonehmlich amerikaner. meinetwegen künstler, aber was soll man auf dem hügel auch groß den ganzen tag über anstellen? die offensichtliche kunst bezog sich auf selbstgestaltete wände von selbstwebauten kleinen und kleinsten häuschen, die sich dicht gedrängt den hügel hinaufwanden. entgegen der ankündigung in der taipei times wurde am eingang zu der "bühne" jedoch intensiv um spenden für die daniel pearl irgendwas und den erhalt dieses "wunderbaren estates samt seines kollektivs" geworben. mir scheint ein solches rückzugsgebiet recht bequem, verglichen mit ihrem zuhause mag das angesparte geld dieser amerikaner hier einen wahren reichtum bedeuten. zumindest lässt sich damit gut leben und seinen alltag als künstler ausgestalten. man könnte es dekadent nennen. doch die diaspora der von ihrer eigenen massenkultur gelangweilten europäer und amerikaner nimmt bisweilen groteske züge an, und sucht sich immer neue "unvereinnahmte" paradiese, diese zu besiedeln. es gibt wohl hunderte solcher communities in der südsee, in der karibik, aber es gibt sie eben auch in taipei oder kampala.
unser drang nach dem leben, das wir uns wünschen, zu führen, führt uns an entlegene orte. es geht sicher vielen unter uns so. doch was veranlasst uns, so weit weg zu gehen? so weit weg zu wollen?
ich bin auch dort, was man weit entfernt nennen könnte, doch fühlt es sich geborgen und sicher an, und was so schnell einem zuhause gleicht, kann doch nicht vollkommen verschieden von dem angwöhnten, von dem geschützten zuhause sein...

jedenfalls irritieren mich gewisse dinge im auftreten der ausländer, vor allem der amerikaner. allen voran ihre übertriebene selbstsicherheit, die selbstverständlichkeit, mit der sie ihre offensichtlich herausgehobene stellung akzeptieren und zur schau stellen. es war grotesk, was da an asiatischen schönheiten in kurzen röcken herumstolzierte und nach der hand eines dieser großäugigen, bleichen milchgesichter suchte. oder schon längst gefunden hatte, wie ebenfalls alltäglich hier. zum ersten waren es beinahe ausschließlich männer (damit meine ich nicht mal nur die musiker), und sie alle hatten taiwanesische frauen, ein gutteil sogar kinder. es traf sich somit eine amerikanische enklave, um den entsagungen des taiwanischen lebensstiles mit bierstand und basketball court abzuhelfen.
nun mag an der tatsache, dass diese weißen männer sich einheimische frauen suchen, nichts anstößig sein. doch warum ausgerechnet solche, die aussehen, als wären sie bloßes accessoire? ebenso unlösbar wie die frage nach dem muster, dass der gegenseitigen attraktion von männlich und weiblich zugrunde liegt. ein geheimnis, weiß und gebleicht. wonach suchen männer, wonach frauen? und warum sind die vorurteile darüber nicht einmal von einer starken frauenbewegung auszulöschen?

generell zieht es den weißen mann wohl gern dahin, wo er sich der bewunderung der einheimischen bevölkerung sicher sein kann. man kommt schon ins grübeln, wenn man diesem gedanken nachgeht, und welche auswrikungen er auf unser bewusstsein und unser verhalten hat. dann ist der nazismus vielleicht eine mögliche folgerung aus der entdeckung und unterwerfung amerikas, die durch den europäischen aufbruch zur renaissance ermöglicht wurde. überall machte sich die bevölkerung eines kleinen erdteils namens europa zum herren, und das scheint sich so sehr im bewusstsein einer global zugänglichen welt verankert zu haben, dass die hautfarbe sogar in formal nicht kolonisierten gegenden wirkt. es ist der ursprünglich europäische mann, der sich vor etwa 500 jahren einen entscheidenden vorteil verschaffte und diesen kontinuierlich ausbaute. und seine geradlinige sicht auf die welt als anfang und ende habend (die sich aus den monotheistischen religionen ableitet) brachte ihn in einen wettlauf, am ende immer die nase vorn zu haben, immer auf der hut vor denjenigen, die aufschließen könnten. so funktioniert es auch heute noch. es "zwingt" amerika und europa, zu rationalisieren, profit zu optimieren, die forschung voranzutreiben. zwar mag der vorteil bald verspielt sein (was apologeten wie samuel huntington auf den plan ruft, deren krude theorien von eventuellen "clash of cultures" letztlich auch nur das recht amerikas, seine "gottgegebene" vormachtstellung zur not durch präventivschläge zu behaupten, popularisieren), doch der unterschied im bewusstsein wird schwerer auszugleichen sein. selbstbewusstsein wächst langsam.
für uns ist das nur bequem, und nichts passt besser, als gott dafür zu danken, egal ob er dafür verantworlich ist oder nicht. tief in ihrem inneren wissen das auch die amerikaner. zumindest kann ich mir solche ignoranz nicht vorstellen. - obwohl- die welt hat viele gesichter, und die hässlichen kommen ohne zweifel auch bei uns vor.

das führt mich an einen anderen punkt. zur frage, inwieweit in taiwan ein internationales geschichtsbewusstsein gewachsen ist. offensichtlich ist es damit nicht allzuweit her.
ich suchte in einem kleinen buchladen direkt auf dem campus nach einem lehrbuch. in jenem laden werden gleich neben dem eingang notizbücher angeboten. die meisten von ihnen zieren westliche ikonen, die büchlein sind wirklich nett anzuschauen, sei es, dass John Lennon, WoodStock oder der Ché das Cover schmücken. nicht zu erwarten war jedoch eine andere westliche "ikone" - nämlich Adolf Hitler.
nach einem ersten schock packte mich der heilige zorn, und bestärkt von meinen klassenkameraden, ging ich, mich in meinem grundschul-chinesisch beschweren und versuchte den von dem thema absolut überforderten und nur entschuldigend schauenden verkäuferinnen klarzumachen, dass man so einen scheiß doch nicht allen ernstes VERKAUFEN kann! es war nicht im geringsten ironisiert, sondern wirkte im gegenteil gar idolisierend. hitler in heroischer pose, in der aufgereckten hand einen blitz, darunter das hakenkreuz, auf der rückseite zur zugabe gleich nochmal. die verkäuferinnen zeigten sich sehr "sorry", eine sagte sogar, sie habe ein wenig geschichte studiert, und wisse, dass der kerl überhaupt nicht nett gewesen sei.
aber so ist das in china. sie sagen dir, wie sorry sie sind, schauen dich ganz ehrlich sorry an, und was dann? was kann man machen? man steht sich gegenüber - stille. der segen des einander nicht verstehen könnens lässt meine wut an ihrem sorry einfach abperlen. zumal sie ja nicht mal was dafür können. und was mache ich? mich beim chef beschweren? der ist wahrscheinlich auch nicht für den einkauf verantwortlich. ich überlegte, alle hefte aufzukaufen und zu verbrennen, aber das wär eventuell kontraproduktiv, dann würden sie nur noch mehr von dem zeug hinstellen - es verkaufte sich schließlich so gut.
so ist das in china. man geht und fragt und bekommt eine antwort. zum beispiel, um zu wissen, wann unser stuípendium denn auf dem konto ist. die antwort ist also tag x, aber an tag x ist das geld nicht da. also gehen wir wieder und fragen. man hört ehrliche entschuldigungen und dass es sicher nächste woche kommt. und so geht das dann weiter, bis man es dann eines tages tatsächlich hat. oder vorher aufgegeben hat.
aber stress machen oder sich beschweren - das funktioniert hier nicht im ansatz wie zuhause. warum auch? man macht es sich selbst nur schwer...

mein thema war eigentlich unser wochenende, wenn ich mich recht entsinne. der samstag gehörte daniel pearl, und anschließend dem besuch eines 夜市, eines nachtmarktes. zwischen all den eng beienander stehenden ständen 小吃, den taiwanesischen imbissen zwischendurch, z.b. hühnerfüße mit allem drum und dran, wahnsinnig ekelhaft aussehenden würsten und tofu, schlängelten wir uns hindurch, jeder zweite laden verkauft essen oder sportschuhe (die gegenüber auf dem festland in den freihandelszonen nahe kanton gefertigt werden) oder klamotten. und so richtig "nacht" ist auch nicht, um 12 ist schließlich schluss. die meisten läden haben eh bis gegen 11 offen. meist sind sie auch nur der der straße zugeneigte raum in der erdgeschoßwohnung, solange man nicht schlafen geht, kann man also genausogut seinem gewerbe nachgehen.
am sonntag war ich mit Maxime, dem belgier aus dem dormitory, unterwegs. es war der letzte tag des europäischen filmfestivals in taipei, und wir genehmigten uns den schwedischen film "the guy in the grave next door". vielleciht trug eben jenes zu meiner uppsala reflektierenden stimmung abends bei. es war ein stück heimat, diese schöne wie lächerliche sprache zu hören.
anschließend drückten wir uns die nasen an schaufenstern von höllisch teuren (europäischen?) restaurants im selben gebäude platt. der spielplatz der besitzenden schicht. wenn man die klotür öffnete, hob sich der klodeckel automatisch, wie um seine freude angesichts des zu erwartenden spektakels kundzutun und den besucher für sein im restaurant gelassenes geld ordentlich zu entschädigen. außerdem waren die dinger von irgendwoher beheizt. das rief sofort die erinnerung an unseren geliebten professor moritz wach und seine geschichte von den hotelklos in thailand, wo man beim stuhlgang gleich noch massiert wurde. ich kann mir jedoch immer noch nicht vorstellen, wie das ablaufen soll... ist ja irgendwie auch ne intime sache, nicht?

das wochenende davor gehörte der erkundung der umgebung taipeis. eben jener (äußerst aktive) Maxime machte eine organisation ausfindig, die eine erste bergwanderung kostenlos anbot. der schlossen wir uns also an. wie es schien, eine studentenvereinigung. wir erwanderten den erge shan und anschließend einen sogenannten monkey rock. insgesamt ergab sich eine ahnung des als so schön geltenden berglandes taiwans. für richtig gutes wetter befanden wir uns wohl immer noch zu nah an taipei, d.h. zu nördlich. doch die sanfte wellung der berge und ihr saftiges grün machten hunger auf schönes wetter und gute sicht. außerdem gewann man erstmals einen eindruck, es mit einer teils tropischen insel zu tun zu haben. die vegetation in taipei city ist schließlich nicht besonders reichhaltig, besonders in Xinzhuang, wo wir wohnen, findet man eigentlich nur häuserwüste. doch hier, in den bergen, wuchsen große farne, unbekannte bäume, dichtes unterholz, es wimmelte von moskitos. außerdem gibt es hier die bäume, an denen die bei uns sharoni oder khaki genannten früchte wachsen, sowie eine art birne oder so (von der konsistenz her), deren schale ein wenig schmeckt wie weed riecht...

ein paar details zu meinem alltag, denn der scheint wohl recht kurz zu kommen, obwohl immer wieder hernach gefragt wird.
ich habe kurs von 10 bis 12 uhr, wir sind insgesamt 6 leute, 3 mädels aus korea, japan und indonesien, und 3 knaben aus russland, den usa, und goo´ol´germany.die chemie ist schon recht stimmig, wir gehen fest jeden tag gemeinsam mittag essen (zumindest die mädels und ich), und auch während des unterrichts wir d viel gelacht. unsere lehrerin ist furchtbar nett, manchmal vielleicht zu wenig streng, als wir deutschen gewohnt sind. aber sie kümmert sich wenigsten s um jeden, was nicht in jeder gruppe der fall sein soll. schließlich sind unsere level mitunter sehr verschieden. die indonesierin z.b. lebt seit einigen jahren auf taiwan, dementsprechend plappert sie wie ein maschinengewehr. doch auch daran kann man lernen.
mein chinesisch wird sicher besser, doch geschieht dies langsam. es ist halt eine sprache mit einem unglaublichen reservoir an worten und nicht ganz gleichen synonymen oder wörtern nur für bestimmte situationen. außerdem die schwieirgkeit mit der durch eine gegebene anzahl von silben begrenzte lautvariation, wodurch bestimmte wörter zwangsläufig wie andere klingen und zu missverständnissen führen.
beziehungen zu taiwanesen gestalten sich langsam und bisher eher sporadisch. deswegen möchte ich auch aus der beinahe rein englischen umgebung unseres dormitory ausziehen.
ansonsten gehen die tage früh zuende. des abends findet man noch zeit, ein wenig vokabeln zu wiederholen oder unvermittelt in einem gespräch vertieft zwei stunden zu verbringen. alltäglich gehen auch etwa 4 stunden allein bei der nahrungsaufnahme drauf, mit dem zugehörigen schwatz nach der mahl. entgegen heimischen gewohnheiten fällt mein frühstück hier sehr mager aus - es gibt auch kaum etwas, dass mit unserem brot vergleichbar wäre. und ständig kekse...naja. also ist der hunger mittags um 12 da, wo er hingehört. das geht wohl allen studenten so, jedenfalls sind die lokale bis um 1 immer und überall gerammelt voll. ich glaube, die mütter ringsum träumen davon, ein lokal zu unterhalten, schlecht lebt es sich davon bestimmt nicht. unser abendessen findet dann zwischen 6 und 8 statt. nach 9 bekommt man sowieso nichts mehr, außer an erwähnten snack-ständen (hühnerfüße und so).
ein wenig problematisch gestaltet sich der mangel an obst. zumal die nächsten mir bekannten verkaufsstellen mit dem bus angesteuert werden müssen. daneben nervt die einseitigkeit der gerichte - bezogen auf die tatsache, dass fleisch eignetlich immer mit dabei ist.
um auf das hauptthema einer vorigen mail einzugehen: wir haben jetzt schätzungsweise jeden in der umgebung verfügbaren lokal ausprobiert, und es setzt die phase der gewöhnung ein, wodurch auch ein wenig die freude angesichts dem neuen verschwunden ist. dabei gilt: eigentlich sind die billigeren 飯店 die besseren, die teuren sind zu teuer und das geld nicht wert. z.b. ist der curry hier so harmlos, das macht überhaupt keinen spaß. angeblich sei das "japanischer curry". auch die "italienischen" spaghetti sind eher lächerlich. fast food diskutieren wir mal gar nicht.


nun, es gab viel zu lesen. hoffentlich war es nicht nur viel, sondern auch entertaining, zumindest a little.
es hat mich schließlich fast 2 stunden gekostet... und trotzdem ist es nur ein kleiner ausschnitt von dem, was mir widerfahren ist.
nun, es reicht für einen eindruck, schätze ich, mehr kann man sowieso nur gewinnen, wenn man gewillt ist, mit eigenen augen zu sehen.

bis es wieder soweit ist,

Jacob